Was haben James Bond und der Totentanz gemeinsam?  

Danke James Bond 007. Mal wieder genial die Welt gerettet. Niemand hat größere Liebe, als der, der sein Leben lässt für die anderen. Diesmal erwischt es dich. Obwohl du doch keine Zeit zum Sterben hast. No time to die, so lautet die Parole. Dass der Film mich fasziniert, ist keine Frage: Warum nur haben deine Drehbuchautoren schon vor 5 und mehr Jahren gewusst, dass just in diesem Augenblick der Veröffentlichung des neuen Bond Filmes ein Virus in der Tat die Welt bedroht. Kein Herkules, kein Nanobot, aber ein kleiner Covid19 Virus. Vermutlich nicht aus dem Speziallabor der bösen Weltmächte, aber eben mit viel Grund und Zeit zum Sterben. Wie auch immer. Todsicher. Außer, ein Bond erlöst die Welt. Sorry Bond, wir brauchen wieder mehr Zeit zum Sterben! Denn im Gegensatz zu dir ist der Tod nun mal in unserer Reality nicht fiktiv, sondern todsicher Wirklichkeit. Und auch das lehrt dein Film: keiner hat ein Double, der die gefährlichen Stunts übernimmt: wir müssen selber durch. Vom Anfang bis zum Ende. 

Übrigens: wir waren in Sachen Tod und Sterben schon mal auf einem höheren Niveau: seit dem frühen Mittelalter lehrte die Kirche die Menschen, sich Zeit zu nehmen für das Sterben. Im s.g. „Totentanz“. Entstanden in und während der größten Pandemien der damaligen Welt, die teilweise über 100  Jahre dauerten und Millionen Menschen wegrafften! Und für viel Unfrieden sorgten: unter Geschäftsleuten, in Familien, in Freundschaften. Der Totentanz: eine geniale Darstellung des Todes in vielen Kirchen: der Tod taucht auf, fordert zu einem Tänzchen auf, völlig egal ob Papst, Kaiser, Kaufmann, Bauer, Lehrer – alle, ohne Rücksicht auf den Stand, das Vermögen, die Gesundheit. Der Totentanz rüttelte auf! Geschüttelt wurden die Menschen, nicht gerührt! Genau James! Dem Tod ins Auge blicken heißt, wach geschüttelt zu werden, nicht weichgerührt. Und vom Tod her zu leben, hilft uns das Leben zu gewinnen! Wer leben kann, kann sterben. Wer sterben kann, kann leben. Wer nicht sterben kann, hat mit dem Leben große Probleme gehabt. Kein Glück in der Liebe, kein Glück im Umgang mit Hab und Gut, kein Glück auf weiter Flur. Der Totentanz führte im Mittelalter zu der Kunst des Sterbens: ars moriendi. Vervollkommt in den s.g. „Sterbebüchlein“, einer Anleitung zur Kunst des Sterbens und der Kunst des Lebens. Beides führte zu dem Motto: carpe diem! Boah! Die Kirche! Die Kirche hat sich Zeit genommen für das Sterben! Und viele Menschen inspiriert, sich ebenfalls Zeit dafür zu nehmen. Denn es lebt sich besser, wenn man sich für das Wesentliche Zeit nimmt! Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden! Klug! Chacham im Hebräischen! Meint die Fähigkeit eines Kapitäns auf der Kommandobrücke, das Schiff zu steuern. Richtige Entscheidungen zu treffen und die Dinge richtig zu beurteilen! Diese hohe Kunst der Navigation gelingt nur, wenn wir uns Zeit nehmen für das Sterben und den Tod, James! Ach übrigens: ich wäre bereit, das Drehbuch für den nächsten Bond zu schreiben. Titel: Totentanz. Denn das Beste an deinem Film war die Botschaft nach dem Abspann:

JAMES BOND KEHRT WIEDER!

Quelle der Bilder: https://schiffsmond.net/index.php/der-berliner-totentanz/ und „Die Zeit“ – online.

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